ehemalige schüler




ALLES – NUR KEINEN ALLTAG ! Franziska Liebe

Im Sommer 2010 machte ich Abitur. Alle meine Freunde fingen direkt an zu studieren, doch ich fühlte mich nicht dazu bereit, schon wieder wochenlang mit Karteikarten am Schreibtisch zu verbringen. Ich sparte mir mit diversen Minijobs das nötige Geld zusammen, um auf eine viermonatige Weltreise zu gehen. Ziel: Australien. Ich lernte viel, doch ein passender Studiengang war mir immer noch nicht zugeflogen. Ich entschied mich dazu, eine Ausbildung zur Fotografin zu machen. Die Ausbildungszeit war lang und 4 Wochen Jahresurlaub zu kurz, um meinen gerade aufgekratzten Reisedurst zu stillen. Als die Abschlussprüfung in Sichtweite rückte, bat mir mein Chef eine Festanstellung an die ich glücklich annahm, aber mit dem Wissen, dass ich Ende des Jahres zurück ans Ende der Welt wollte – zurück nach Australien! Einen Plan, den ich verschieben musste, als ich erfuhr, dass man im ersten Jahr nach seiner Ausbildung Stipendiengelder beantragen konnte, wenn man einen Praktikumsplatz im europäischen Ausland fand. Okay – Europa war nicht Australien – aber diese Chance durfte ich mir nicht entgehen lassen.Der erste Pluspunkt, warum sich die Ausbildung schon gelohnt hatte! Dank der ZffA und FOCON, Innung der Fotografen bekam ich den Kontakt zu Katherin Wermke, einer erfolgreichen deutschen Fotografin in Barcelona. Ich bewarb mich um eine Assistenzenstelle. Es klappte alles tadellos.

Katherin nahm mich herzlich auf und gab mir vom ersten Tag an verantwortungsvolle Aufgaben. Kaffee kochen musste ich nie. Ich half ihr bei diversen Aufgaben – von einfachen Retuschen bis hin zur Webseiten-Pflege – war alles dabei. Meist assistierte ich ihr bei Shootings oder wir fotografierten zu zweit, einige Male fotografierte ich Aufträge sogar komplett alleine. Anfänglich nur für englischsprachige Kunden,später sogar für spanische Firmen. Das war für mich immer sehr aufregend, da ich Spanisch erst in Barcelona zu lernen angefangen hatte. Wie der Alltag aussah? Eine klare Antwort darauf kann ich nicht geben, denn jeder Tag war anders. Als Fotograf muss man sehr anpassungsfähig und flexibel sein, das ist die Essenz unseres Berufes. Und genau das war es, was ich brauchte - alles nur keinen Alltag! Unter der Woche waren wir mit Katherins Aufträgen beschäftigt, am Wochenende gab sie meistens Workshops, bei denen ich Making-Of Fotos für das Onlinemarketing machte. Manchmal arbeitete ich nur zwei Stunden am Tag, selten mehr als acht. Manchmal sieben Tage die Woche, manchmal drei Tage am Stück frei. Was ich aus Barcelona mitgenommen habe? Tausende von Fotos, Erfahrungen, Eindrücke, viele neu gewonnene Freunde, warme Sonnenstrahlen und die Liebe zu Barcelona. Dass es nicht einfach ist, als Fotografin seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, wusste ich schon vor der Ausbildung. Aber seit vier Jahren bin ich glücklich mit dem, was ich tue. Auch ohne studiert zu haben. Mein Beruf lässt mich reisen, und der nächste Job ist auch schon sicher: Ab Juni 2015 findet man mich 4,5 Monate als Portraitfotografin auf einem Kreuzfahrtschiff in Nordeuropa.

Praktikum in Finnland

WILDLIFE FINNLAND Alina Niessen
In den ersten Wochen war dieser Bereich der Fotografie eine richtige Herausforderung für mich. Zu Beginn habe ich tatsächlich versucht, wie bei der Studioarbeit im Einzelbild-modus den richtigen Moment einzufangen – aber wenn da ein Fischadler mit 40kmh ins Wasser schießt, um gleich darauf mit einem Fisch wieder weg zu fliegen, ist der „perfekte Moment“ nur mit einer Serienaufnahme zu erwischen. Bis irgendetwas passiert, können Stunden vergehen. Dabei kann es ganz schön kalt werden! Wenn man z.B. Steinadler fotografiert, muss man morgens im Dunkeln ankommen und kann den Tarnverschlag erst wieder verlassen, wenn es wieder dunkel ist. Diese Vögel sind so scheu, dass sie möglicherweise für Wochen nicht wieder kommen würden, wenn sie einmal einen Menschen mit den Tarnverschlägen in Verbindung gebracht haben. Die Wildlife Fotografie erfordert sehr viel Geduld – man muss zu dem auch noch akzeptieren, dass man sein Bild nicht wie in anderen Bereichen der Fotografie in Eigenregie gestalten kann, sondern das man anstatt zu agieren ständig reagieren muss – auf das Tageslicht, das Verhalten Tiere, das Wetter usw.. Ein „Tier-Natur-Shooting“ bedeutet im Übrigens mindestens genau so viel Vor- und Nachbereitung wie ein großes Modeshooting. Tarnverschläge für unterschiedliche Tiere und Orte müssen geplant und beschafft werden. In einigen kann man nur liegen, in anderen aber auch stehen und gehen. Des Weiteren müssen vielversprechende Orte ausfindig gemacht und Vereinbarungen mit den Landbesitzern getroffen werden. Die Umgebung wird präpariert, damit nichts Störendes im Bild ist und es werden "Landeplätze" für die Vögel installiert. Viele Vögel werden erst angelockt, in dem man an den ausgewählten Orten regelmäßig andere Tiere füttert. Einmal haben wir an die "Steinadlerlocation" drei Schweine mitten in den Wald zum Fressen geschleppt! 

Zusammenfassend kann ich sagen, dass es unglaublich interessant und erkenntnisreich ist, auch diesen Bereich der Fotografie kennen zu lernen. Durch dieses Praktikum ist mir noch einmal mehr bewusst geworden, wie facettenreich die Fotografie und wie wichtig es ist, eine auf die Grundausbildung aufbauende berufliche Spezialisierung anzustreben. Und wie auf dem ganzen Markt der Fotografie herrscht auch im Bereich der Wildlife Fotografie ein unglaublicher Konkurrenzdruck und es existiert eine enorme Bilderflut. 




MEISTER, MEISTER Katharina Ihle

Ich habe meinen Gesellen zur Fotografin an der ZffA (Zentrum für fotografische Ausbildung, Berlin) gemacht innerhalb von 2 Jahren. Durch die neuen Bestimmungen, habe ich die Gelegenheit genutzt, gleich im Anschluss meinen Meister im Fotografen Handwerk zu machen. Diese Ausbildung hat 9 Monate gedauert und hat mich durch alle vier Teile der Meisterprüfung geleitet. Wenn mich jemand fragen würde, ob ich es eine gute Entscheidung war den Meisterkurs direkt hinter der Gesellenprüfung zu belegen, dann würde ich diese Frage mit einem Ja beantworten. Ich bin dadurch nicht aus dem Lernen heraus gekommen und konnte mein Wissen, das ich in der Gesellenzeit erlangt habe, in Teil 1 und 2 noch vertiefen und erweitern. Teil 3 und 4 waren für mich neue Themen, doch merkt man schnell wie wichtig sie sind. Sie zeigen einem auf, wie man Preise kalkuliert, Marketing betreibt, Steuern richtig berechnet und wie man ein guter Lernbegleiter für die Auszubildenden ist. Alle Bereiche sind sehr wichtig, wenn man in die Selbständigkeit gehen möchte. Sie sind die Grundlage für ein erfolgreiches Unternehmen. Ich habe die Notwendigkeit dieses Wissens durch den Meisterkurs erkannt und kann jedem empfehlen ihn zu belegen. Auch wenn der Gesetzgeber die Fotografen in die Handwerksrolle B eingestuft hat, ist das Wissen, das durch den Meisterkurs erlangt wird von Nöten und sehr hilfreich. Für mich bedeutet der Meister Titel, dass ich gelernt habe wie ich meine Selbständigkeit aufbauen sollte. Allerdings weiß ich, dass mir noch viel Berufserfahrung fehlt und ich bin mir bewusst das ich die fehlende Berufserfahrung noch nachholen sollte, bevor ich in die Selbständigkeit gehen sollte. Ich sehe den Meisterkurs daher, wie einen guten Start für die Berufswelt in der man nun seine Erfahrungen sammelt, um dann zu einem Meister seines Handwerkes zu werden.

Nun, nach erfolgreichem Abschluss der Prüfungen für den Meister, werde ich für drei Monate nach Spanien gehen um dort ein Praktikum bei einem Fotografen zu machen. Diese Gelegenheit zu nutzen war mir wichtig, denn ich reise gern und bin sehr daran interessiert wie Fotografen in anderen Ländern arbeiten. Nach den drei Monaten in Spanien, werde ich in meine Heimatstadt Hamburg zurück ziehen, um dort eine Anstellung als Fotografin zu erlangen.